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Willkommen, welcome, bienvenue 

in meiner kleinen Schuhmacherei!

Wenn man durch die verschlungenen Gassen in Staufen wandert, muss man nur dem Geruch von Kleber und Leder folgen. Hinter dem Rathaus rechts, in der Adlergasse, wird gehämmert, geschliffen und poliert. Hier reparieren wir eure Absätze, Handtaschen und Zaumzeuge, machen deine Schuhe weiter, putzen Vorderkappen wieder blank und machen Löcher in den Gürtel. 

 

Hier stellen wir auch unsere Gürtel und Handtaschen ganz nach Kundenwunsch her und fertigen unsere Maßschuhe. Vom Leisten bis zum Ausputz entsteht ein Schuh zwischen unseren alten Feldsteinwänden.

 

Ihre Rebecca Posselt

 

Über mich

„Warum ausgerechnet Schuhmacherin?“ Manche Frauen fragt man nach dem Weg oder ihrer Nummer. Bei mir muss man erst ernste Ungereimt-heiten klären. Dabei ist die Antwort ganz einfach: Ich mag Schuhe. HighHeels, Ballerinas, Gummistiefel, Stegsandalen, Derbys, T-Riegel-Pumps, Overknees, Oxfords, Wanderstiefel, Ringsbesatz, Fullbrogues, Budapester, Schmucksandalen, Gummistiefel… Wenn ich mir als Jugendliche fabelhafte Outfits nähte, scheiterte ich an den Schuhen. Also musste ich dringend eine Ausbildung machen. Nach einem Jahr verschiedener Praktika in diversen europäischen Schuhmachereien hatte ich Glück. Ich setze mich als eine von achtzehn Bewerbern an der Staatsoper Hannover durch und begann meine Lehre in der dortigen Schuhmacherei.

Ich war auf einer magischen Insel im Herzen der Stadt gelandet! Hier werkelten Perückenmacher, Damenschneider, Pyrotechniker, Schwert-schmieder, Bühnenbildner und Requisiteure herum. Balletttänzer schlurften schnatternd in Trainingsanzügen durch die Korridore und die Chordamen drückte der Schuh. Dank der Unterstützung von Sybille Hahn-Wienhold und der Firma Trittfest konnte ich noch ein halbes Jahr Orthopädie-Schuhmacherei an meine Ausbildung hängen und als Orthopädie-Schuhmacherin abschliessen.

Foto: Fury Fantasy

Die  Kostümbildner an der Oper liessen sich gerne außergewöhnliche Schuhe einfallen. Doch die abgefahrensten Schuhe aller Zeiten baute ich nach meiner Ausbildungen der Fetisch-Werkstatt Fury Fantasy in Dissen: kniehohe Lederstiefel mit schwebendem Absatz und – Hufen! Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass ich genau das mein Leben lang machen wollte. Niemals wieder konnte ich auf solchem handwerklichen Niveau arbeiten. Niemals wieder holte mich mein Chef mit einer Kutsche vom Bahnhof ab, vor die zwei menschliche Knabstrupper und ein Einhorn gespannt waren.

Es gab nur ein Problem bei der Sache: wir lebten tief, tief im Teutoburger Wald. Die große, weite Welt lockte. Ich schwöre, es lief genau so: Mein Telefon klingelte. „Hey Rebecca, die Oper in Sydney sucht Schuhmacher, bewirb dich mal! Isa.“ Ehe ich mich versah, hatte ich meine Wohnung gekündigt, meine Krankenversicherung gekündigt, meine Rentenversicherung auf Eis gelegt, (nur aus dem Handy-Vertrag kam ich nicht raus) und meine Bücher an die Obdachlosen Hannovers verschenkt. Dann machte ich mich auf die längste Reise meines Lebens. In Sydney hatte ich die große ehre mit einer meiner Ikonen zu arbeiten: Jodie Morrison, Geschäftsgründerin von Steppin’Out Theatre Shoes und Schuhmacherin seit 1976 (Weißt du, Schwester,  Schuhmacherinnen gab es 1976 eigentlich gar nicht.)

Foto von Jessica Rosello

Wir hatten auch gleich einen grandiosen Fehlstart. Während ich versuchte, Grundmodelle auszudetaillieren, blickte mir Jodie über die Schulter und erklärte, mein Schneckentempo könne man sich echt nur in staatlich subventionierten Betrieben leisten und meine Schuhe müssten echt mal wieder Schuhcreme sehen. Irgendwie rauften wir uns dann aber doch zusammen. Jodie gab mir sogar an Weihnachten die Schlüssel zu ihrer Stadtvilla und ich lud 19 Leute ein. ( Thanks again, Jodie!!!)

 

Als in der Oper die Sommerpause begann, wechselte ich zu einem deutschen Orthopädie-Schuhmacher in Sydney –  Karl Heinz Schott und seinem Team um Katrin Wegener bei Footpower. Die Werkstatt lag ganze fünf Minuten vom Strand entfernt. Es war das erste Mal, dass ich in einer Werkstatt arbeitete, in der man nicht von konstantem Zeitdruck beherrscht wurde. Es war das erste Mal, dass ich meine Kreativität in einer Werkstatt voll ausleben durfte. Warum bin ich nicht mehr dort?

Staufen rief. Staufen mit seinen Weinbergen und Schwarzwaldluft, Staufen, mit seiner Burgruine, verschlungenen Gassen und buntem Marktplatz, Staufen, mit meiner eigenen Schuhmacherei. Staufen, wo die Reise weitergeht.

Foto: Thomas M. Ritter

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Meister ahoi!

  Preisfrage: Was macht den Meister? Na klar!! Übung!!! Deshalb wollte ich ihn auch partout nicht machen.  „Ein Meisterbrief ist nichts als teuere Tapete,“ erklärte ich allen, die es hören wollten oder nicht, vorzugsweise anderen Meistern. „Die Hierarchien im Handwerk sind steinzeitlich und überhaupt interessiert es niemanden einen Holznagel, ob der Schuh jetzt von einem …